Jean-Pierre Dürig

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3 May, 2016

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CV Jean-Pierre Dürig  

Review - Jean-Pierre Dürig, der Wettbewerbsarchitekt

Zweihundertelf Wettbewerbe in achtzehn Jahren, das soll zuerst mal einer schaffen. Für Jean-Pierre Dürig ist dies die Essenz seiner Arbeit, denn ohne Wettbewerbsteilnahmen kann er nicht sein.
An einem Dienstag Abend an der ETH Zürich, in einem gut gefüllten Vorlesungssaal des HIL-Gebäudes auf dem Hönggerberg, verkündet er von seinen Überzeugungen als Architekt und dem Schaffen in der Welt des Wettbewerbs.
Im Herzen des Architekturdepartements lauschen die Studierenden gebannt, als er schnellen Schrittes durch seine Präsentation führt, von seinen Anfängen als Modernist erzählt, und erklärt, warum er sich noch heute als einer von ihnen sieht.
Die Moderne ist immer wieder Thema bei Dürig. Er sieht sie als Ausdruck gesellschaftlicher Phänomene, als das Anerkennen der Bedürfnisse des Menschen nach Licht, Luft und Hygiene, als das Ausführen von städtebaulichen Überlegungen und sozialem Wohnungsbau. Er sieht darin nicht den formalen Ausdruck, der heute heftig kritisiert wird, wie zum Beispiel die weissen Gebäude eines Le Corbusier wie der «Plan Obus» oder die atmosphärische, bedeutungsgeladene Herangehensweise eines Louis Kahn, die ihren Ausdruck in der Exeter Library fand.
Die Regeln der Moderne haben noch immer ihre Gültigkeit in der heutigen Zeit, ist sich Dürig sicher. Jedoch sieht er sie als Teil der Gesellschaft, so wie sie es schon immer hätten sein sollen.
Deshalb darf man von den Werkzeugen, deren sich die klassische Moderne bedient hat, auch im heutigen gesellschaftlichen Kontext Gebrauch machen. Damit meint er, dass vor allem der Verkehr gewährleistet sein muss und schonend mit den Ressourcen umgegangen werden soll. Der Begriff der Moderne ist, laut Dürig, ein Phänomen einer Zeit, daher ist er in seiner ursprünglichen Bedeutung immer anwendbar. Er sagt, es sei ein Fehler, ihn nur mit der Bedeutung der klassischen Modernisten in der Geschichte gleichzusetzen. Er soll immer wieder neu definiert werden.
In seinem Wettbewerbsbeitrag für eine New Administration City in Südkorea bedient er sich der Idee der Moderne, dass der Verkehr unter der eigentlichen Stadt verlaufen soll, wie man im berühmten Bild von Ludwig Hilbersheimer «Grossstadtarchitektur» entnehmen kann. Er schlägt vor, die neue Stadt als Kreis zu schaffen, unter der eine Bahn fährt, welche die ganze Stadt auf einer Linie erschliesst und verbindet. Das Bedürfnis für einen optimalen, schnellen Verkehr ist nicht mit der Moderne untergegangen, sondern ist heute eines der wichtigsten Kriterien für eine Stadt.
Dürigs Architektur bedient sich grosser Gesten, welche leicht verständlich sind und eine klare Aussage haben. Dies wird auch in seinem aktuellsten Projekt klar, einem Studentenwohnheim, das Anfang 2017 in Lausanne als Teil des Campus der EPFL erstellt wird. Das Gebäude ist ein rundes Volumen mit einem Lichthof, um den eine lange Rampe führt, welche in einem sozial bespielten Dachgarten mit Cafés und Clubs kulminiert.
Angesprochen auf das Thema der Nachhaltigkeit äusserte sich Dürig eher knapp dazu, indem er sagte, dass er damit nur in Kontakt käme, sobald tatsächlich etwas baut. Da sieht er das Faszinierende im Wettbewerb. Seine Ideen kann er mit diesem Vorgehen ganz klassisch «zu Papier» bringen, ohne sich vorerst grosse Gedanken zu machen, ob es jemals realisiert werden muss oder nicht. Dies ist für Dürig eine Freiheit, die er sich gerne nimmt. Er ist der Meinung, dass die Architektur über die zweidimensionale Darstellung eine Stärke hat und schnell kommuniziert und geteilt werden kann, wobei auf der anderen Seite die Realität mit ihren Terminen und ihren Kostendächern überhaupt keine Rolle spielt.
Daran anknüpfend könnte man sagen, dass Dürig in dieser Hinsicht etwas blauäugig von der kapitalistischen Realität der Architektur absieht. Jedoch war er schon am neuen Bahnhof Löwenstrasse in Zürich an der Realisation beteiligt, sowie hat Bauten ...

 
 
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Sat Jul 22 18:02:24 CEST 2017
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