Armand Grüntuch and Almut Grüntuch-Ernst

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Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst führen seit 1991 gemeinsam ein Büro in Berlin. Armand Grüntuch studierte an der RWTH Aachen und der IUAV Venedig, Almut Grüntuch-Ernst an der Universität Stuttgart und der AA in London. Beide haben an der HdK Berlin gelehrt, seit 2011 ist Almut Grüntuch-Ernst Professorin an der TU Braunschweig. Das Werk von Grüntuch Ernst umfasst Wohn- und Bürogebäude, Verkehrsbauten, Hotels und Bildungseinrichtungen, aber auch Sonderaufgaben wie die Konzeption und Gestaltung des deutschen Beitrags auf der Architekturbiennale 2006 in Venedig. Für ihre Bauten, u. a. in Berlin, Hamburg, Leipzig und zuletzt in Chemnitz und Madrid, haben sie zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen erhalten.

Date of presentation

24 Mar, 2015

Review - Raum, Kontinuum und Bewegung

Seit fast 25 Jahren arbeiten das Architekten-Ehepaar Armand Grüntuch und Almut Grüntuch-Ernst in ihrem gemeinsamen Büro in Berlin. Am 24. März 2015 hielten sie zusammen ein Referat in der Vortragsreihe on Architecture des Departements Architektur der ETH Zürich. Selten radikal in den Mitteln, dafür stets fokussiert auf die Übergänge und das Weiche in der Architektur präsentierten Grüntuch und Ernst eine Schau quer von ersten Installationen bis zu aktuell sich noch in Bau befindenden Projekten wie der deutschen Schule in Madrid. Es zeigte sich, wie stark das Büro Grüntuch Ernst in der Stadt Berlin verwurzelt ist, aber auch wie sich über die Jahre ihr Schaffen und Werk einen grösseren Massstab fand. Nicht nur wuchs die Anzahl Mitarbeiter von einem einzigen Praktikanten zu über vierzig Angestellten, sondern das Büro ist mittlerweile auch im Ausland und an sehr grossen Projekten beteiligt.
Ihre ersten Arbeiten, die sich meistens näher an der Kunst als an der Architektur bewegen, drehen sich oft um die emotionale Verbindung zur Umwelt. Beispielhaft zeigt dies eine Installation in einem Hinterhof im Rahmen der Berlin Biennale von 1998: In einem Austellungsraum wird eine Aussenmauer durchbohrt und über ein Rohr und ein Spiegel eine visuelle Verbindung zum Fernsehturm am Alexanderplatz hergestellt. Die Atmosphäre des Raumes wird dadurch in einen grösseren Kontext gestellt und die Besucher konnten einen bekannten architektonischen Fixpunkt der Stadt aus einem neuem Winkel wahrnehmen. Diesen Themen blieben Grüntuch Ernst auch mit ihrem Beitrag zur 10. Architekturbiennale in Vernedig von 2006 treu. Der schwerfällige deutsche Pavillon in den Giardini wurde durch eine Dachterrasse inklusive Zugangstreppe erweitert. Das Flachdach wurde zugänglich gemacht und eine neue Perspektive wurde für die Besucher erfahrbar. Die Architekten zeigen damit eindrücklich, dass Architektur nicht nur die physische Veränderung der Umwelt bedeutet, sondern immer auch das Potenzial hat, die Wahrnehmung der Umgebung zu erweitern und zu beeinflussen.
Diesem Ansatz bleiben sie treu und es erstaunt deshalb nicht, dass Grüntuch Ernst oft an Umbau- und Erweiterungsprojekten arbeiten. Der Umbau des Bahnhofs in Chemnitz aus dem Jahr 2014 verdeutlicht dies gut. Die grosse Anlage wirkte zuvor verschlossen und unfreundlich. Durch das Öffnen der Eingangsfront zu einer Art Stadt-Baldachin und der Entwicklung einer neuen Fassade mit Leuchtdioden wird die Dynamik des Ortes sichtbar gemacht und es entsteht eine Art Kommunikation zwischen dem Bahnhof und den Reisenden.
Die Architektur von Grüntuch Ernst behandelt Raum als Kontinuum, das durch Bewegung erfahrbar gemacht werden kann. Oft wird mit einer fast schon spielerischen Leichtigkeit der bestehende Ort atmosphärisch erweitert und verstärkt – ohne jemals den Bestand zu ignorieren oder gar zu zerstören.

Hans Flühmann

 
 
Page URL: https://www.arch.ethz.ch/en/news-und-veranstaltungen/departementsvortraege/on-architecture4/Gruentuch.html
28.05.2017
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