Doreen Liu

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Doreen Heng Liu is a Chinese architect, whose research focuses on contemporary urbanism in the Pearl River Delta and the specific impact of urbanization on design and practice in China today. Her work starts with the essential issues of building–site, program, space, materials, and construction–and ventures into complexities of urbanism, nature, landscape, tradition, and culture. Liu established her practice node (Nansha Original Design) in Hong Kong and Nansha, Guangzhou in 2004. node’s built architectural works include Nansha Science Museum, Nansha Bookstore, Guangzhou Times Museum, etc. Liu has participated in various exhibitions including Shanghai Biennale, Guangzhou Triennale, Shenzhen Architecture & Urbanism Biennale, Venice Architecture Biennale and the international Architecture Biennale Rotterdam.
Doreen Liu holds a MArch from UC Berkeley and a Doctor of Design from Harvard Graduate School of Design. Since September 2008, she has been teaching at the School of Architecture, Chinese University of Hong Kong as adjunct associate professor.

Date of presentation

8 Oct, 2013

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CV Doreen Heng Liu  

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Review - Selbstreflexionen einer Architektin

Doreen Liu beendet ihren Vortrag mit der offenen Frage, ob Architektur einen positiven Beitrag zur künftigen Entwicklung Chinas leisten kann. Wer den Vortrag mitverfolgt hat, weiss, dass sie die Frage für sich mit «Ja» beantwortet. Viel wichtiger ist aber die Tatsache, dass sich die chinesische Architektin diese Frage überhaupt ernsthaft stellt. Man spürt, dass Doreen Liu das Nachdenken über Sinn und Zweck ihrer Arbeit extrem wichtig ist. Eineinhalb Stunden zuvor kündigte sie am Anfang des Vortrags an, über «die Rolle von Architekten» sprechen zu wollen, und tatsächlich geht sie kaum auf Grundrisse, Materialien, Konstruktionsdetails oder Tragstrukturen ein, wie man es gemeinhin von einem Vortrag am Architekturdepartement der ETH Zürich erwarten könnte. Stattdessen vermittelt sie dem Publikum, wie sich ihr eigenes Verständnis von ihrer Rolle als Architektin in den knapp zwanzig Jahren seit ihrem Studienabschluss verändert hat.
Nach einer Anfangsphase, in der sie jeden Auftrag annehmen musste, kann sich Liu jetzt die Freiheit nehmen, sich nur auf Projekte einzulassen, die sie wirklich interessieren. Heute ist ihr Denken bestimmt von einer kritischen Auseinandersetzung mit der rasanten Urbanisierung Chinas in den letzten dreissig Jahren – und von der Rolle, die sie als Architektin bei der Beschleunigung dieses Prozesses spielt.
Rasant ist auch das Tempo des Vortrags. Doreen Liu zeigt eine fast vollständige Übersicht ihrer Projekte. Sie schneidet viele interessante Themen an, hat aber nicht genug Zeit, um diese zu vertiefen. Zwei Projekte stechen trotzdem heraus: ihr allererstes, das 1999 mitten im Pearl River Delta mit dem katalanischen Architekten Ricardo Bofill fertiggestellte Nansha Science Museum , bei dem sie auch das Programm mit entwerfen konnte, und das mit Rem Koolhaas 2006 errichtete Guangdong Museum of Art. Das Museum ist in eine 18-geschossige Wohnanlage integriert und stellt für Liu ein Schlüsselwerk dar, weil sie dafür sogar die strenge Zonierung aushebeln mussten. Liu betont dass «der Prozess, diese Kombination von Funktionen zu legalisieren», viel wichtiger sei als die Form.
Am Ende der gewaltigen Wort- und Bilderflut bleibt Respekt für Lius andauernde kritische Reflexion über ihr eigenen Schaffen. Obwohl der Hörsaal nicht ganz gefüllt war, ist es wichtig, dass Departementsvorsteher Hubert Klumpner internationale, vielleicht weniger bekannte Gäste wie sie einlädt. Doreen Liu führt den Studierenden vor Augen, dass es in der Verantwortung von Architektinnen und Architekten liegt, die eigene Rolle zu definieren. Wie sie auf die Frage einer Studentin antwortet, «bauen manche Architekten ihr Leben lang nur zwei oder drei Gebäude, und das reicht.»

Lino Moser

 
 
Page URL: https://www.arch.ethz.ch/en/news-und-veranstaltungen/departementsvortraege/on-architecture/Doreen-Liu.html
Sun May 28 01:09:05 CEST 2017
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