Alexander Brodsky

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Date of presentation

13 Oct, 2015

Review - Gedachte Bauten

Man hat sie vermisst, diese Departementsvorträge mit Gästen, die weniger durch die Masse oder die Nachhaltigkeit des Gebauten Aufmerksamkeit verdienen, sondern durch den architektonischen Gehalt in seinem geschichtlichen Kontext. Alexander Brodsky, eingeladen von Departementsvorsteherin Prof. Annette Spiro, erfreute das Publikum mit einem in vieler Hinsicht gehaltvollen Vortrag.
Die Ausgangslage beim Abschluss seines Diploms (1976 in Moskau) bestimmt seinen Werdegang. Als frei denkender, der Disziplin Architektur verpflichteter Kopf findet er mit der staatlich organisierten Architekturproduktion in der Sowjetunion nicht ab. In eine Art «intellektuelle Arbeitslosigkeit» gezwungen, geprägt durch von oben auferlegten Stilvorgaben, rein der Erfüllung gesellschaftlicher Nöte dienend, findet er zusammen mit seinem Weggefährten Ilya Utkin in japanischen Konzeptwettbewerben ein Ventil, sich den Umständen zum Trotz mit der Disziplin Architektur zu beschäftigen und eine eigene Sprachlichkeit zu entwickeln.
Brodsky zeigt die beeindruckenden Abgaben, allesamt wegen des Verfahrens auf einen einzigen Bogen von 60x80 cm und einen Text mit 100 Wörtern beschränkt. Sie tragen Namen wie Crystal Palace, A Bridge oder villa claustrophobia und vermögen jeweils als geschlossene Einheit aus Text und Zeichnung das Projekt, sein Konzept und nicht zuletzt seine Geschichte zu erzählen.
Während bei den Wettbewerben gefundene Gedichte oder archetypische Architekturen Pate standen und den Projekten Tiefe stifteten, sind es in seinem gebauten Werk vielfach konkrete, physische Fundstücke. Diese verleihen den Arbeiten durch ihre gekonnte Bricolage eine besondere Komponente des Elementaren und ein Narrativ, das die Grenze zwischen Kunst und Architektur verwischt erscheint.
Der Vortragsreihe gelingt mit der Einladung Alexander Brodskys ein erfolgreicher Auftakt, der die Erwartungen an die folgenden Abende mit Astrid Staufer, Marie-José Van Hee und Hermann Czech hoch steckt, ebenso wie auch die Vorfreude.

Michael Stirnemann

 
 
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28.05.2017
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