Marianne Burkhalter

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Von Marianne Burkhalter und Christian Sumi 1984 gegründet, wird burkhalter sumi architekten seit 2010 durch Yves Schihin und Urs Rinklef als Partner ergänzt und geführt.
Seit den Anfängen durch Wettbewerbserfolge auch international bekannt, setzt sich das Werk von burkhalter sumi mit der innovativen, umsichtigen und zukunftsgerichteten Gestaltung unseres Lebensraums auseinander. In ihrer Arbeit bringen sie Architektur, Kultur, Ästhetik und Nachhaltigkeit unter einen Hut.
Neben den Kernthemen „Wohnen“ und „Städtebau“ wird die „Arbeit am Bestand“ im Denken von burkhalter sumi immer wichtiger. Die „recherche patiente“ im Bauen mit Holz begleitet sie dabei auf Schritt und Tritt. Dass Architektur auch ein kulturellen Aspekt hat, zeigt das Interesse an interdisziplinärer Forschung, Ausstellungsarchitektur und Lehre.

Date of presentation

18 Oct, 2016

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CV Marianne Burkhalter  

Rezension – Der unerwartete Blick

«Der Architekt ist zum Fassadendesigner verkommen»: Mit der Aussage zu Beginn ihres Vortrages beklagt Marianne Burkhalter die zu grosse Trennung zwischen dem Innenleben eines Baus – dem Konstruktiven – und dem Äusseren – der Erscheinung – in der heutigen Architekturpraxis. Für sie ist jedoch genau die Schnittstelle zwischen der Architektur und dem Ingenieurwesen einer der wichtigen Momente des Entwerfens. Neben der Frage der Funktion und des Ausdruckes spielen für sie in der Architektur die Atmosphäre und die Poesie einer Struktur eine ebenso bedeutende Rolle.

Mit ihren Studentinnen und Studenten an der Accademia di Architettura in Mendrisio beschäftigte sich Burkhalter intensiv mit Konstruktionen; im Vortrag spricht sie nur über diese Arbeiten und nicht über Projekte aus ihrem Büro, das sie seit 1984 zusammen mit Christian Sumi führt. Die Studierenden bauten Modelle, die herausgeschnittene konstruktive Elemente verschiedener Bauten zeigen. Durch das chirurgische Heraustrennen werden sie zu anatomischen Modellen, die nicht nur Masse, Struktur und Infrastruktur darstellen, sondern auch zu einer Neuinterpretation der Elemente anregen. Burkhalter nennt den Vorgang «spekulatives Nachdenken über Neues»; durch die exakte Untersuchung des Bestehenden soll Inspiration für Neues entstehen. Für die Arbeiten wurden Bauten von Le Corbusier, Marco Zanuso, Robert Maillart sowie der «Schule von São Paulo» untersucht.

Von Le Corbusier zeigte Marianne Burkhalter die Studien zu zwei berühmten Bauten: die Chapelle Notre-Dame-du-Haut in Ronchamp und die Unité d’habitation in Marseille. Während das Ergebnis für die Unité schnell nachvollzogen werden konnte – die sichtbare Tragstruktur des Erdgeschosses wurde analysiert, dabei wurden die Struktur, die Lastabtragungen sowie die Fundamente ersichtlich –, musste bei Notre-Dame detektivische Arbeit geleistet werden. Von Aussen als massive, tragende, von Fenstern durchlöcherte Wand wahrgenommen, wurde bei der Analyse von Fotos aus der Bauzeit klar, dass die Wand modular als Gitter aufgebaut ist, angepasst auf die Fenster. So ergibt sich für das Modell ein unexpected view, ein unerwarteter Blick oder eben etwas, das man nicht erwartet hätte.

David Häusler

 
 
Page URL: https://www.arch.ethz.ch/en/news-und-veranstaltungen/departementsvortraege/be-constructive/marianne-burkhalter.html
Mon Jul 24 04:42:00 CEST 2017
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