Mahendra Raj

Main content

Nach seinem Studium als Bauingenieur in Lahore im Jahr 1946 begann Mahendra Raj seine Laufbahn im Punjab Public Works Department zunächst an Strassenbau-Projekten. Ab 1952 lernte er sein Handwerk als Hochbauingenieur an zwei zentralen Gebäuden von Le Corbusier in Chandigarh, dem High Court und dem Secretariat. Diese anspruchsvollen Strukturen motivierten Mahendra Raj ab 1956 das Masters-Studium an der University of Minnesota zu absolvieren und danach im Ingenieur-Büro Ammann & Whitney in New York zu arbeiten, das an innovativen Beton-Falt- und Schalentragwerken wie Saarinen’s TWA-Terminal arbeitete.
1960 kehrte Mahendra Raj nach Indien zurück und gründete sein eigenes Büro in Bombay, das er 1970 nach Delhi verlegte und bis heute leitet. Viele seiner Projekte entstanden in Zusammenarbeit mit namhaften Architekten: Minoru Yamasaki, Louis Kahn, Achyut Kanvinde, Charles Correa, B.V. Doshi, Joseph Allen Stein und Raj Rewal. Mit seinen experimentellen Strukturen betrat Mahendra Raj immer wieder Neuland. Einzigartig an seinem Werk ist wie er komplexe Tragsysteme in der indischen Realität umsetzte: Manuell, in Abwesenheit der modernen Maschinerie, auf die man zu der Zeit im Westen zurückgreifen konnte und unter äusserst ökonomischer Verwendung von Materialien.

Date of presentation

4 Oct, 2016

Rezension – No, you build it!

Ein Podiumsgespräch mit dem Indischen Bauingenieur Mahendra Raj bildete den Auftakt zu der Reihe der Departementsvorträge im Herbstsemester 2016, die unter dem Motto «Be constructive!» steht. Es war zudem Teil der Buchvernissage der Monografie «The Structure»: erstmals wird das Werk Rajs in einem einzigen Band umfassend präsentiert und mit Hilfe von Interviews und Gesprächen präzise kontextualisiert.

Nach einer von grossem persönlichem Respekt geprägten Einführung der Departementsvorsteherin Prof. Annette Spiro führten die Autoren des Buchs – Rajs Schwiegertochter Vandini Mehta und sein Sohn Rohit Raj Mehndiratta – das Publikum in die Werksgeschichte respektive den Werdegang Mahendra Rajs ein; sie veranschaulichten dabei die Entstehung einiger seiner wichtigsten Bauten anhand erlesener und schöner Pläne, die im Anschluss im Foyer ausgestellt waren. Die beiden Autoren erklärten sehr anschaulich den grossen Spagat zwischen komplexesten Tragsystemen und einfachster Bautechnik, die der Ingenieur mit absoluter Sicherheit und Eleganz zu meistern vermochte.

Im Rahmen der Podiumsdiskussion sprachen der Herausgeber von «The Structure», Ariel Huber, Architekturfotograf und langjähriger Freund Rajs, Prof. Dr. Joseph Schwarz vom Institut für Technik in der Architektur ITA und Architekt Johannes Käferstein mit Mahendra Raj. Der Altmeister vermochte das Publikum mit persönlichen Anekdoten und Geschichten aus der Bauzeit seiner Hauptwerke zu begeistern, ohne jedoch die technischen Fragen ausser Acht zu lassen, die ihn beim Bau umtrieben. So schwankte das Publikum zwischen Erheiterung und Erstaunen, als Raj vom Bau des Hindustan Lever Pavillons in Neu Delhi (1961) erzählte, als er aus einem vom Architekten Charles Correa zerknüllten Papier und dem darauffolgenden «This is the Pavillion; build it!» – «no, you build it!» – «no, you build it!» allen Ernstes bloss mit Hilfe der statischen Berechnungen und einem massstabsgetreuen Modell ein erstaunliches Faltwerk komplett in Ortbeton zu erstellen vermochte. Weiter ging es mit Anekdoten zur Arbeit in Chandigarh unter Le Corbusier oder zu einem Besuch Buckminster Fullers in seinem Atelier.

Je mehr Gebäude ihr Erbauer Mahendra Raj mit seinen Geschichten buchstäblich zum Leben erweckte, desto grösser wurde der Respekt vor den Leistungen des Ingenieurs. Umso mehr erstaunen die Pläne, die 1972 in Neu Delhi erbaute Hall of Nations abzureissen. Es bleibt einzig zu hoffen, dass der eingereichten Klage stattgegeben und das Gebäude einer weiteren Generation Ingenieure und Architekten als Inspiration erhalten bleiben wird.

Ladina Ramming

 
 
Page URL: https://www.arch.ethz.ch/en/news-und-veranstaltungen/departementsvortraege/be-constructive/mahendra-raj.html
27.05.2017
© 2017 Eidgenössische Technische Hochschule Zürich