|
||||
|
EinführungArchitekten und Architektinnen, so hört man es immer wieder, werden nicht länger als Kulturschaffende gefordert, sondern als Dienstleister und Unternehmer. Zunehmend überträgt der Bauherr die Risiken für Kosten und Termine nicht nur den Ausführungsfirmen, sondern auch den Planern. Diese sind mithin gezwungen, Gesamtleistungsangebote zu unterbreiten und diese möglichst effizient zu erfüllen. Dafür bedarf es neuer Formen der Entwurfs- und Planungsorganisation. Diese wiederum verlangen von den Architekten und Architektinnen über ihre traditionelle Kompetenz hinaus neue Fähigkeiten: darunter jene, unternehmerisch kreativ zu denken, in interdisziplinären Gruppen zu arbeiten und mit Flexibilität und Erfindungsreichtum unerwartetete und bislang nie dagewesene Probleme zu lösen. Die Globalisierung forciert dabei eine Internationalität, für die Fremdsprachenkenntnisse zwar Voraussetzung sind, die aber viel weitreichendere organisatorische und kulturelle Implikationen beinhaltet. Die Bewältigung von Gesamtleistungsmandaten erfordert Kenntnisse im Vertragsrecht, in Organisationsmethoden, in Qualitätskontrolle und in Konfliktmanagement. Und da man all dies natürlich nicht alleine machen kann, werden die Fähigkeit und die Lust zur Zusammenarbeit zu zentralen Anforderungen. Die Klage, darüber würde die Kernkompetenz des Architekten, der Entwurf, auf der Strecke bleiben, kann zutreffen, muss aber nicht. Es geht nicht unbedingt um eine Verlagerung, sondern um eine Erweiterung von Fähigkeiten. Denn auch in einer Geschäftswelt, bei der Immobilien nicht mehr Leidenschaftsobjekte oder Statussymbole, sondern einfach Waren sind, zählt bei zunehmender Konkurrenz die Qualität eben dieser Waren. Das haben die aufgeklärten und kultivierten Investoren längst erkannt. Aber selbst für diejenigen, die nur darauf aus sind, Gebäude möglichst gewinnbringend zu kaufen und wieder zu verkaufen, bleibt die Qualität ein zentraler Gesichtspunkt: Sie gewährleistet den Wert, also auch den Wiederverkaufswert der Immobilie. Ein städtebaulich gut eingefügtes, gut konstruiertes und gut gestaltetes Haus gilt auch in der rüdesten und skrupellosesten Geschäftswelt als bessere Investition als eines, das nachlässig zusammengeschustert ist. Mit anderen Worten: Es sieht so aus, als ob künftig der Architekt oder die Architektin weiterhin gut wird entwerfen können müssen und darüber hinaus auch gut organisieren, wirtschaften, verhandeln. Das verlangt, neben einer neuen Einstellung zum Beruf, auch eine neue Ausbildung. Darauf stellt sich unsere Schule ausdrücklich ein. Die Studienreform, die wir gerade vorbereiten, zielt genau darauf, diesen neuen, anspruchsvollen Typ von Architekten und von Architektin auszubilden. Die Reform ist noch nicht abgeschlossen, und auf ihre konkreten Konsequenzen für eine Studentengeneration wird man noch etliche Jahre warten müssen. Doch einige wichtige Schritte sind bereits unternommen und umgesetzt worden. Das zeigt das vorliegende Jahrbuch, das den gegenwärtigen Zustand (und teilweise auch die gegenwärtige Befindlichkeit) unserer Schule dokumentiert. Durch diese Zielsetzung unterscheidet es sich grundlegend von vorausgegangenen Jahrbüchern: sowohl in seiner Struktur als auch in seiner Gestaltung. Dass die Struktur so realisiert und mit Inhalt gefüllt werden konnte, verdankt die Publikation meinen Kolleginnen und Kollegen, zu welchen ich natürlich auch die Assistentinnen und Assistenten zähle, aber auch und vor allem den Studentinnen und Studenten. Dass die Gestaltung die Klarheit, Präzision und Angemessenheit erreichen konnte, die wir weitestgehend auch für die Architekturlehre beanspruchen, ist das Verdienst von Fritz Gottschalk und Sascha Lötscher. Die Koordination und Redaktion besorgte Denise Michel mit Bruno Dobler. Allen danke ich von Herzen. Denn sie haben mit grossem Engagement und Sachverstand dazu beigetragen, dass aus der Pflichtübung eines Jahresberichts ein Dokument der behutsamen Selbsterneuerung der Schule geworden ist. Vittorio Magnago Lampugnani Zürich, im Oktober 2000 |
|||
| Zum Seitenanfang | ||||