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Professur für Denkmalpflege, Prof. Georg Mörsch | |||||||
Nachhaltigkeit und Denkmalpflege Beiträge zu einer Kultur der Umsicht Dr. Marion Wohlleben Die aktuellen Bestrebungen zu einem massvollen Umgang mit lebenswichtigen, nicht erneuerbaren Rohstoffen richten sich allgemein auf die natürlichen Ressourcen. Inzwischen werden aber auch Baubestände und Infrastrukturen ins Blickfeld genommen und nicht länger als Altlasten sondern als Werte angesehen, die schonend zu behandeln und nachhaltig zu bewirtschaften wären. Bei den Bauten und Anlagen von historischer Bedeutung (Kulturlandschaft und Baudenkmal) handelt es sich um materielle Zeugen der Kultur, um wertvolle, nicht wiederholbare Ressourcen, ein endliches Potential, auf dessen spezifische Besonderheiten die Strategien und Massnahmen abgestimmt werden müssen. In einer vom «Institut für Denkmalpflege» organisierten, grenzüberschreitenden und transdisziplinär zusammengesetzten Fachtagung an der ETH Zürich (7./8.10.1999) ging es in 20 Beiträgen zur Theorie und Praxis um die Situation der Denkmäler unter Aspekten der Nachhaltigkeit von den Eigenschaften des realen Baudenkmals im Zeichen der elektronischen Medien bis hin zu konkreten Bewirtschaftungskonzepten von Altbauten.
Anbauten und Reparaturen als Bedeutungsträger Dr. Hans-Rudolf Meier, Dr. Marion Wohlleben, Chiara Ghiringhelli Untersucht werden Veränderungen an Bauwerken, durch welche diesen sichtbar und bewusst neue Bedeutungen und Sinnschichten angelagert werden. Dabei sind zwei Hauptgruppen und Umbauanlässe zu unterscheiden: Einerseits Reparaturen und Wiederherstellungen, denen oft durch die Interpretation der Schadensursache eine neue Bedeutungsschicht hinzugefügt wird (exemplarisch das Münchner Siegestor), andererseits Funktions- und Nutzungsänderungen, wobei dort, um Günter Behnisch zu paraphrasieren, der Verlust an Funktion einen Zugewinn an Symbolwert bedeuten kann. Die Bedeutungs- und Umbaufrage steht damit im Zusammenhang mit jener nach Bauwerken als Erinnerungsträger, womit wir an ein Vorgängerprojekt anschliessen, dessen Resultate eben publiziert wurden. Eine erste Auswertung des laufenden Projekts stellt dem Konzept, mittels Umbau neue semantische Ebenen unter Wahrung der bestehenden zu generieren und damit Geschichte zu bewahren, jene radikalen Konzeptionen gegenüber, in denen durch die Intervention andere Sinnebenen eliminiert und die Geschichte damit negiert bzw. manipuliert wird.
Archäologische Untersuchungen im Kloster Müstair Dr. Jürg Goll
Die archäologische Bauforschung im Kloster St. Johann in Müstair ist Grundlagenforschung und dient der denkmalgerechten Restaurierung des Weltkulturgutes. Sie bietet zudem ideale Bedingungen für die Aus- und Weiterbildung im Umgang mit Altbauten. Es steht ein geschultes Team von Ausbildnern zur Verfügung, das über fundierte Fachkompetenz verfügt und sich in der langjährigen Forschungspraxis eine gute Orts- und Sachkenntnis erarbeitet hat. Die Auszubildenden werden in verschiedenen Sparten mit Verfahrensfragen konfrontiert: in Bau- und Bodenforschung, in Architektur- und Kunstgeschichte oder in Restaurierungs- und Gestaltungsfragen. Es werden Seminarwochen und dreimonatige Praktika für angehende Architekten und Architektinnen und, im Jahr 2000 zum ersten Mal, ein Kurs im Rahmen des Nachdiplomstudiums angeboten. Die Übungsthemata gehen von der aktuellen Arbeit aus. Zur Zeit werden der ottonische Plantaturm, erbaut 958 ff. und damit der älteste Burgturm der Schweiz, und die Bischofsresidenz des 11. Jahrhunderts untersucht.
Schweizer Hotelbauten 18301920 Dr. Roland Flückiger-Seiler
Die Studie untersucht die Entwicklung der schweizerischen Hotelarchitektur in der Frühzeit des Tourismus (Finanzierung: Nationalfonds). Dem Aufblühen des Alpentourismus in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts folgte seit etwa 1830 die Einrichtung der entsprechenden Infrastruktur wie Hotels, Verkehrswege, Bergbahnen etc. Das Hotel nicht als Übernachtungsangebot, sondern als Aufenthaltsort in landschaftlich reizvoller Lage am See und in nächster Nähe der Alpen (Genfersee, Vierwaldstättersee, Berner Oberländer Seen) für eine anspruchsvolle Klientel wurde zu einer der wichtigsten Bauaufgaben. Die Entwicklung spezieller Grundrisslösungen, einer herrschaftlich repräsentativen Fassadengestaltung, der Einbezug der sich rasant entwickelnden technischen Infrastruktur (Beleuchtung, Lift, Heizung, fliessendes Wasser etc.), all das sind Leistungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges kam diese Entwicklung zu einem abrupten Stillstand. Das Thema wurde erstmals in dieser Fülle und grossen Vielschichtigkeit bearbeitet.
Konservierung der romanischen Holzdecke in der Kirche von Zillis (Schweiz) Dr. Andreas Arnold Dr. Konrad Zehnder Andreas Küng Die Zerfallsbedingungen der bemalten romanischen Holzdecke der Kirche St. Martin in Zillis werden von der «Forschungsstelle Technologie und Konservierung» in Zusammenarbeit mit weiteren Fachleuten untersucht. Die wichtigsten Verwitterungsvorgänge korrelieren mit der Dynamik des Raumklimas: Dachförmig aufstehende Malschichten und das Abrollen der Fixierung folgen häufigen und starken Schwankungen der Luftfeuchte, während das Pilzwachstum eine Folge der durchschnittlich zu hohen relativen Luftfeuchte und stagnierender Luft ist. Angesichts der nicht abschätzbaren Risiken bei der Verwendung neuer Festigungsmittel oder anderer direkter Eingriffe in die Malereien wird versucht, den Zerfall möglichst indirekt durch die Beeinflussung der Bedingungen d.h. hier durch Veränderung des Raumklimas zu vermeiden. Eine dieser Massnahmen, der Einbau einer automatischen Belüftungsanlage, reduziert seit 1998 die Luftfeuchte im Innern ohne gleichzeitig zu grossen Luftfeuchteschwankungen zu führen. Das System hat den Vorteil, sehr flexibel und vollständig reversibel zu sein.
Diplomwahlfacharbeit «Die Kirche von Santa Ana de Velasco, Bolivien» Diplomant Eckart Kühne In den Diplomwahlfacharbeiten setzen die Studierenden die in den Vorlesungen erarbeiteten Erkentnisse an einem selbstgewählten, konkreten Beispiel um. Erarbeitet werden eine zielgerichtete historische Recherche, eine analytische materielle Untersuchung und, daraus abgeleitet, ein Konzept für die Zukunft des untersuchten Objektes. Die Kirche der Jesuitenmission Santa Ana, 1691 in Bolivien gegründet, und das um einen quadratischen Platz erbaute Dorf bilden ein bedeutendes Ensemble, das in die Liste der UNESCO-Weltkulturgüter eingetragen wurde. Die dreischiffige Hallenkirche mit einer Vorhalle am Dorfplatz und umlaufenden Laubengängen ist mit zeitgleich in Bolivien entstandenen Kirchen verwandt. Der Verfasser analysiert in seiner Arbeit den Bauzu-stand und erörtert die damit verbundenen Probleme. Daraus werden die Massnahmen für eine behutsame Restaurierung der Kirche entwickelt. Publikationen (Auswahl):
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